Was zu den Wirkstoffen erforscht wird
Für jeden Wirkstoff im Sortiment: Einordnung, untersuchte Fragestellungen, Stand der Forschung und Quellen aus Fachzeitschriften.
Zusammenfassung veröffentlichter Forschung, Stand Oktober 2026. Die Abschnitte beschreiben, welche Fragestellungen in Fachzeitschriften untersucht wurden. Sie sind keine Anwendungsempfehlung und kein Wirkversprechen. Alle Produkte sind ausschließlich für Forschungszwecke bestimmt (Research Use Only) und nicht zur Anwendung am Menschen.
Präklinisch heißt: untersucht in Zellkulturen oder Tiermodellen. Klinisch heißt: untersucht in Studien am Menschen. Präklinische Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen.
- Aufbau
- 15 Aminosäuren: Gly-Glu-Pro-Pro-Pro-Gly-Lys-Pro-Ala-Asp-Asp-Ala-Gly-Leu-Val
- Herkunft
- Synthetisch; Sequenz abgeleitet aus einem Protein des menschlichen Magensafts („Body Protection Compound“)
- Forschungsstand
- Überwiegend präklinisch
Untersuchte Fragestellungen
Untersucht wird vor allem, wie BPC-157 Reparaturprozesse in verschiedenen Geweben beeinflusst: Sehnen, Bänder, Muskeln, Knochen und die Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts. Dabei geht es unter anderem um die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese), um Wachstumsfaktoren und um das Stickstoffmonoxid-System.
Stand der Forschung
Die meisten Arbeiten stammen aus Tiermodellen, vor allem an Ratten, sowie aus Zellkulturen. Kontrollierte klinische Studien am Menschen gibt es kaum. BPC-157 ist nicht als Arzneimittel zugelassen.
Quellen
- Seiwerth S. et al. (2018): BPC 157 and Standard Angiogenic Growth Factors. Gastrointestinal Tract Healing, Lessons from Tendon, Ligament, Muscle and Bone Healing. Current Pharmaceutical Design. doi:10.2174/1381612824666180712110447
- Chang C.-H. et al. (2011): The promoting effect of pentadecapeptide BPC 157 on tendon healing involves tendon outgrowth, cell survival, and cell migration. Journal of Applied Physiology. doi:10.1152/japplphysiol.00945.2010
- Bezug
- Thymosin β4, ein körpereigenes Peptid aus 43 Aminosäuren, das Aktin bindet
- Bezeichnung
- Unter „TB-500“ werden synthetische, von Thymosin β4 abgeleitete Peptide gehandelt
- Forschungsstand
- Präklinisch; erste klinische Studien nur zu Thymosin β4 selbst
Untersuchte Fragestellungen
Thymosin β4 reguliert die Verfügbarkeit von Aktin, einem Baustein des Zellskeletts. Untersucht wird, welche Rolle es bei Zellwanderung, der Bildung von Blutgefäßen und der Reparatur von Gewebe spielt, zum Beispiel an Haut, Hornhaut und Herzmuskel.
Stand der Forschung
Die Datenlage beruht vor allem auf Zell- und Tiermodellen. Für Thymosin β4 gibt es erste klinische Studien; für die als TB-500 gehandelten Peptide liegen keine klinischen Daten vor. Eine Zulassung als Arzneimittel besteht nicht.
Quellen
- Goldstein A. L. et al. (2011): Thymosin β4: a multi-functional regenerative peptide. Basic properties and clinical applications. Expert Opinion on Biological Therapy. doi:10.1517/14712598.2012.634793
- Aufbau
- Tripeptid Glycyl-L-histidyl-L-lysin mit gebundenem Kupfer(II)-Ion
- Vorkommen
- Natürlich im menschlichen Blutplasma; die Konzentration nimmt mit dem Alter ab
- Forschungsstand
- Präklinisch; als Inhaltsstoff in Kosmetik verbreitet (INCI: Copper Tripeptide-1)
Untersuchte Fragestellungen
Untersucht werden die Rolle von GHK-Cu bei der Wundheilung und beim Umbau der Haut, etwa die Bildung von Kollagen in Zellkulturen. Neuere Arbeiten werten Genexpressionsdaten aus und beschreiben, welche Gene GHK in Zellmodellen beeinflusst.
Stand der Forschung
Die Datenlage beruht vor allem auf Zellkultur- und Tierstudien sowie auf Untersuchungen zur Anwendung auf der Haut in kosmetischen Zubereitungen. GHK-Cu ist nicht als Arzneimittel zugelassen.
Quellen
- Pickart L., Margolina A. (2018): Regenerative and Protective Actions of the GHK-Cu Peptide in the Light of the New Gene Data. International Journal of Molecular Sciences. doi:10.3390/ijms19071987
- Pickart L. et al. (2015): GHK Peptide as a Natural Modulator of Multiple Cellular Pathways in Skin Regeneration. BioMed Research International. doi:10.1155/2015/648108
- Wirkstoff
- Retatrutide (Entwicklungsname LY3437943), entwickelt von Eli Lilly
- Ansatzpunkt
- Agonist an drei Hormonrezeptoren: GIP, GLP-1 und Glucagon
- Forschungsstand
- Klinische Prüfung (Phase-3-Programm); nicht zugelassen (Stand Oktober 2026)
Untersuchte Fragestellungen
Retatrutide wird in der Stoffwechselforschung untersucht: wie die gleichzeitige Aktivierung der drei Rezeptoren auf Körpergewicht, Blutzucker und Energiehaushalt wirkt. Die Entwicklung reicht von präklinischen Modellen über Phase-1- und Phase-2-Studien bis zum laufenden Phase-3-Programm.
Stand der Forschung
Zu Retatrutide sind präklinische Daten und eine Phase-2-Studie in Fachzeitschriften veröffentlicht. Der Hersteller hat Ergebnisse aus Phase-3-Studien gemeldet und plant den Zulassungsantrag. Als Arzneimittel zugelassen ist Retatrutide nicht.
Quellen
- Coskun T. et al. (2022): LY3437943, a novel triple glucagon, GIP, and GLP-1 receptor agonist for glycemic control and weight loss: From discovery to clinical proof of concept. Cell Metabolism. doi:10.1016/j.cmet.2022.07.013
- Jastreboff A. M. et al. (2023): Triple–Hormone-Receptor Agonist Retatrutide for Obesity — A Phase 2 Trial. New England Journal of Medicine. doi:10.1056/NEJMoa2301972
- Aufbau
- Peptid aus 16 Aminosäuren
- Herkunft
- Kodiert im mitochondrialen Erbgut (12S-rRNA-Gen); 2015 beschrieben
- Forschungsstand
- Überwiegend präklinisch
Untersuchte Fragestellungen
MOTS-c gehört zu den „mitochondrial-derived peptides“. Untersucht wird, wie es den Stoffwechsel reguliert, etwa die Insulinempfindlichkeit und den Energiehaushalt in Mausmodellen, und welche Rolle es bei körperlicher Belastung und im Alter spielt.
Stand der Forschung
Die Datenlage beruht vor allem auf Zell- und Tiermodellen; Daten am Menschen sind bisher begrenzt und beobachtend. MOTS-c ist nicht als Arzneimittel zugelassen.
Quellen
- Lee C. et al. (2015): The Mitochondrial-Derived Peptide MOTS-c Promotes Metabolic Homeostasis and Reduces Obesity and Insulin Resistance. Cell Metabolism. doi:10.1016/j.cmet.2015.02.009
- Reynolds J. C. et al. (2021): MOTS-c is an exercise-induced mitochondrial-encoded regulator of age-dependent physical decline and muscle homeostasis. Nature Communications. doi:10.1038/s41467-020-20790-0
- Aufbau
- Synthetisches Heptapeptid: Thr-Lys-Pro-Arg-Pro-Gly-Pro
- Bezug
- Abgeleitet vom körpereigenen Tetrapeptid Tuftsin, verlängert um Pro-Gly-Pro
- Forschungsstand
- Überwiegend präklinisch; in der EU nicht als Arzneimittel zugelassen
Untersuchte Fragestellungen
Selank wurde in Russland entwickelt. Untersucht wird vor allem sein Einfluss auf angstbezogenes Verhalten und auf Stressreaktionen in Tiermodellen sowie die Wechselwirkung mit dem GABA-System.
Stand der Forschung
Die veröffentlichten Arbeiten stammen überwiegend aus Tiermodellen und zum Teil aus Studien in Russland. In der EU ist Selank nicht als Arzneimittel zugelassen.
Quellen
- Kasian A. et al. (2017): Peptide Selank Enhances the Effect of Diazepam in Reducing Anxiety in Unpredictable Chronic Mild Stress Conditions in Rats. Behavioural Neurology. doi:10.1155/2017/5091027
- Zusammensetzung
- Steriles Wasser mit 0,9 % Benzylalkohol
- Zweck
- Lösungsmittel zum Rekonstituieren lyophilisierter Peptide
Untersuchte Fragestellungen
Der Benzylalkohol hemmt das Wachstum von Bakterien. Dadurch lässt sich ein Vial mehrfach anstechen, anders als bei sterilem Wasser ohne Zusatz.
Stand der Forschung
Welche Menge Lösungsmittel für eine gewünschte Konzentration nötig ist, berechnet der Peptid-Rechner; Richtwerte zur Lagerung rekonstituierter Vials stehen im Lagerungs-Guide.
Grundlagen zu Aufbau, Synthese und Analytik von Peptiden finden Sie unter Wissenschaft, Begriffe im Peptid-Lexikon.
